Windkraftprojekt Bad Waldsee öffentliche Erklärung

Wolfgang Heyer

Windpark: 200 000 Euro für Gutachten ausgegeben

„Die Entscheidung ist dem Aufsichtsrat der Stadtwerke nicht leicht gefallen, aber es musste verantwortlich gehandelt werden“, berichtete Weinschenk und Rist ergänzte, dass der Projektstopp nach Auswertung der Untersuchungsergebnisse die logische Konsequenz gewesen ist. Das Aus für den Windpark brachte ein spezielles Rotmilan-Gutachten, das von den Stadtwerken in Auftrag gegeben wurde. Darin wurde deutlich, dass lediglich noch ein einziges Windrad hätte gebaut werden können. Die weiteren Anlägen wären in einem 1000-Meter-Radius zu einem Rotmilanstandort gelegen und hätten damit dem Naturschutz widersprochen (die SZ berichtete). Die Arbeiten der Bürgerinitiative Lebenswerter Haistergau, die sich intensiv mit dem Rotmilan beschäftigten, hatten keinen Einfluss auf die Entscheidung, wie Rist auf SZ-Nachfrage betonte: „Wir haben keine fremden Daten für unsere Erkenntnisse herangezogen.“

In den vergangenen Monaten und Jahren veranlassten die Stadtwerke mehrere Gutachten und Teiluntersuchungen. Wie Rist aufzählte, wurden neben dem Rotmilan auch Untersuchen zum Vogelzug oder zur Fledermaus-Population erarbeitet. Wie hoch die Kosten dafür waren? Laut Weinschenk sind die Stadtwerke – die rund 50 Prozent der Projektkosten tragen – mit rund 200 000 Euro daran beteiligt. „Es wurde sehr sorgfältig gearbeitet“, hob Weinschenk hervor. Rist bestätigte die vorsichtige Planung des Projekts. Schließlich seien im Projektverlauf nach Teilabschnitten immer Haltepunkte eingebaut“ worden. Ergebnisse seien unter Betrachtung der Wirtschaftlichkeit hin analysiert worden. Dementsprechend wurde auch noch kein Genehmigungsantrag beim Landratsamt gestellt, schließlich befand sich das Projekt noch in der Voruntersuchung, wie Rist erklärte.

Die Windmessungen hätte eine rentable Realisierung des Projekts erlaubt, so bezifferte Weinschenk die Windhöffigkeit auf circa sechs Meter pro Sekunde: „Das war kein Punkt, der die Anlage in Frage gestellt hat.“ Und so war Weinschenk die Enttäuschung über den Abbruch des Windparkprojektes anzumerken. „Ich finde es schade, dass es so gekommen ist“, meinte das Stadtoberhaupt und gab seine persönlicher Sichtweise zu Protokoll: Gerade im Hinblick auf zukünftige Generationen sei der verantwortliche Umgang mit Energie und die Förderung regenerativer Energie wichtig. „Wer sagt, Windkraft generell ist gut, aber ich möchte sie nicht bei mir haben, hat aus meiner Einschätzung heraus nicht die richtige Einstellung.“ Braunkohlekraftwerke würden jedenfalls keine Alternative zur Windkraft und den weiteren erneuerbaren Energien darstellen.

Zukünftig werden sich die Stadtwerke den Geothermie-Planungen widmen. Laut Rist werde hierbei gleich vorgegangen wie bei der Windkraft, es gibt also „Untersuchungen, Haltepunkte und dann jeweils wieder Entscheidungen“. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Windparkpläne wieder aufgegriffen werden, dazu wollte Weinschenk keine Spekulationen machen. Nur so viel: „Die Natur ist nicht statisch. Aber ich weiß nicht, ob sich etwas verändern wird.“

Für Ulrich Walz vom Energiebündnis Bad Wurzach ist das Projekt noch nicht gestorben. „Ich bin sicher, dass das Projekt mit drei bis vier Windkraftanlagen auf dem Tannenbühl in einigen Jahren realisiert wird. Momentan sprechen die Bedingungen des EEG und die Genehmigungsrealitäten des Landes dagegen. Diese werden sich ändern, denn wir benötigen Windkraft für die Sicherung unserer Zukunft.“ Aus Sicht von Walz ist der Standort windstark und könne viel saubere Energie liefern. Außerdem könnten moderne Windräder naturverträglicher als die bisherigen Modelle installiert werden. Der Stadt stellt Walz ein gutes Zeugnis aus. Das Projekt sei solide geplant worden. Gefehlt hätte aber ein klares öffentliches Bekenntnis der Stadtspitze und der Fraktionen mit neutraler Sachinformation während der heißen Phase der Diskussion. „Falsch war es, dass das Feld einer Bürgerinitiative überlassen wurde, die ihr egoistisches Ziel mit Polemik, Angstmacherei und Halb-/Falschwahrheiten besetzt hat. Die vielen neutralen und Windkraft positiven Stimmen sind dadurch nicht gewürdigt worden.“